- Kuba ist die Wiege von Rumba, Son, Mambo, Cha-Cha-Chá und Conga – alle Welttanzstile haben hier ihre Wurzeln
- Son Cubano entstand um 1900 in Santiago de Cuba aus der Verschmelzung von afrikanischen und spanischen Elementen
- Rumba ist keine Tanzhalle-Rumba – das Original ist eine afro-kubanische Straßentradition seit dem 19. Jahrhundert
- UNESCO-Weltkulturerbe: Kubanische Rumba wurde 2016 in die Repräsentative Liste aufgenommen
Wenn die Welt tanzt, tanzt sie oft nach kubanischem Rhythmus – ob sie es weiß oder nicht. Mambo, Cha-Cha-Chá, Rumba, Son und die Grundlagen des Salsa: All diese Stile haben ihre Wurzeln auf der Insel Kuba. Sofia Reyes erklärt die faszinierende Geschichte des kubanischen Tanzes und wie er die Musikwelt verändert hat.
Son Cubano: Die Mutter aller karibischen Tanzstile
Der Son Cubano ist der Urahn. Er entstand um 1900 im Osten Kubas – in der Provinz Oriente und besonders in Santiago de Cuba – aus der Verschmelzung zweier Kulturen: der afrikanischen Rhythmik der versklavten Bevölkerung (Clave-Rhythmus, Bongós, Tres-Gitarre) und der spanischen Melodietradition (Gitarre, Gesang, harmonische Strukturen). Der Son verbreitete sich in den 1920er Jahren nach Havanna, wurde dort verfeinert und erreichte in den 1940ern mit Bands wie Trío Matamoros und dem Conjunto de Arsenio Rodríguez seinen ersten Höhepunkt.
Rumba: Afrikanisches Erbe auf der Straße
Die kubanische Rumba hat mit der in europäischen Tanzhallen gelehrten „Ballroom Rumba“ wenig gemeinsam. Das Original ist eine afro-kubanische Straßentradition die seit dem 19. Jahrhundert in den Armenvierteln Havannas und Matanzas gepflegt wird. Es gibt drei Hauptformen: Yambú (langsam, älteste Form), Columbia (solo, virtuos, männlich dominiert) und Guaguancó (Paar-Tanz mit erotischer Symbolik). Die UNESCO nahm die kubanische Rumba 2016 als immaterielles Weltkulturerbe auf.
Mambo und Cha-Cha-Chá: Der Sprung in die Welt
In den 1940ern entwickelte Danzón-Komponist Orestes López einen neuen rhythmischen Stil – Pérez Prado perfektionierte ihn zum Mambo und brachte ihn mit Aufnahmen für den mexikanischen Markt in die Welt. Der Mambo wurde zum ersten lateinamerikanischen Tanzstil der die USA im Sturm eroberte – vor dem Rock’n’Roll. Darauf folgte der Cha-Cha-Chá: 1953 vom Komponisten Enrique Jorrín entwickelt als zugänglichere Variante des Mambo mit einem charakteristischen zusätzlichen Schritt (cha-cha-chá).
Conga: Der Karneval zieht durch die Straßen
Die Conga ist der Straßentanz des Karnevals – eine lange Schlange von Tänzern die sich durch die Straßen bewegt, angeführt von Trommlern mit Congatrommeln und Becken. Santiago de Cuba hat die berühmtesten Conga-Gruppen Kubas – die Conga de los Hoyos und die Conga de Los Cien Fuegos rivalisierten jahrelang beim Karneval. Die Congatrommel selbst wurde durch diesen Tanzstil weltweit bekannt und ist heute in jeder Latin-Band Standard.
Salsa: Kubas Exportschlager
Technisch gesehen ist Salsa kein kubanischer Tanz – er entstand in New York in den 1960ern unter puerto-ricanischen und kubanischen Einwanderern als Synthese aus Son, Mambo und Jazz. Aber seine DNA ist kubanisch. Der kubanische Stil (Casino) unterscheidet sich vom New Yorker On-2-Stil durch kreisförmige Bewegungen (Rueda de Casino) und eine entspanntere Gangart. In Kuba heißt Salsa tanzen einfach „bailar casino“.
Tanzen lernen in Kuba: Die besten Orte
- Casa del Son (Havanna): Kurse für Anfänger täglich, Einzel- und Gruppenunterricht
- Callejón de Hamel (Havanna): Rumba-Sessions sonntags, kostenlos, authentisch
- Casa de la Trova (Santiago de Cuba): Son und Bolero im Original-Setting
- Tropicana: Das legendäre Cabaret – teuer aber ein Erlebnis der Kategorie „einmal im Leben“
Fazit: Kuba ist die Tanzschule der Welt
Kein anderes Land hat die globale Tanzmusik so nachhaltig geprägt wie Kuba. Wer die Insel besucht sollte mindestens einen Salsa-Kurs nehmen und eine Rumba-Session besuchen – nicht als Tourist sondern als jemand der versteht was er sieht. Der Rhythmus Kubas ist nicht Hintergrundmusik – er ist das Herzschlag der Insel.